Mittwoch

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen sterben wollen und sich umbringen wollen. Die meisten kennen nicht den Unterschied. Einige Ärzte kennen nicht mal den Unterschied. Natürlich sind es fließende Grenzen. Und das eine schließt das andere nicht aus. Aber wer einmal einen der Gedanken gefasst hat, wird es wissen. Als ich letztes mal in die Psychiatrie kam, wollte ich sterben. Als ich jetzt wieder hin kam, wollte ich nicht sterben, aber ich wollte mich umbringen. Ich wollte es nicht nur, ich habe es auch versucht. Früher hatte ich nie den Mut tiefer zu schneiden. Ich war auch ziemlich aus der Übung. Aber ich bin schnell wieder reingekommen. Schneller und tiefer. Ich fasste mir ein Herz und schnitt nun senkrecht. Ich war so beeindruckt wie viel Blut floss, dass ich kurz inne hielt und mein Werk bewunderte. Dann kamen die Stimmen wieder und schrien mich an: „Mach weiter. Nicht nachlassen.“ Ich bekam Angst und bemerkte, dass ich laut weinte. „Verdammt. Hoffentlich hört mich niemand.“

„Was ist denn los?“
„Nichts. Mir geht’s gut.“
„Das sieht aber nicht gut aus.“
„Ich will sterben. Ich kann nicht mehr.“
„Wie alt sind Sie denn?“
„24.“
„Dann haben Sie doch noch das ganze Leben noch vor sich. Sie sind viel zu jung zum sterben.“
„Nein. Nein. Ich kann nicht mehr.“

Ich ließ mich zur Seite fallen. Ich wurde von einer dicken Schicht Wollmäuse aufgegangen. Ich zog die Beine an meinen Körper, legte den Kopf in den Nacken und schrie vor Schmerzen. Mein Herz tat weh. Es fühlte sich an, als ob jemand die Haut von meinen Rippen kratzen würde und seine Finger in meine Brust rammt und mir stückchenweise das Herz ausreißt.

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