Donnerstag

„Sie haben einen Termin zum EKG. Mein Kollege wird Sie begleiten. In Ordnung?“, fragte die Krankenschwester. Ich konnte sie nicht anschauen und nickte nur. Ich drückte auf dem Verband an meinem Arm rum. Es erschienen immer mehr kleine dunkle Schatten auf der Mullbinde. Als mich der Pfleger für das EKG abholte, hatte sich der Verband mit Blut aufgesaugt. Es sah aus wie ein Handschuh mit roten Tupfen.

Ich stand auf und lief vor. Ein Piepsen und Surren. Die Tür war offen. Ich ging vor zur nächsten Tür. Dasselbe Prozedere. Ich lief voraus. Der Weg war mir bekannt. Wir kamen an der Eingangstür vorbei. Ich wäre gerne raus gerannt, aber ich wäre nicht weit gekommen. Als es letztes Mal jemand versucht hatte, kam innerhalb weniger Sekunden eine ganze Mannschaft von Krankenpfleger und Ärzten. Ich war sowieso noch von den ganzen Tabletten high. Es war ein Wunder, dass ich überhaupt den Weg zu den Untersuchungsräumen gefunden hatte. Ich war schon einige Male in diesem Raum. Ich musste meinen Oberkörper komplett frei machen. Normalerweise ist mir das sehr unangenehm, aber mir war es egal. Die ganze Welt hätte zusehen können. Ich wollte gestern sterben und heute wollte ich es immer noch. Ich konnte nicht mehr weinen bei diesem Gedanken. Ich war fertig hier.

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